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Kein Campingwagen-Effekt beim Lenken

Um die zu testenden Pkw bei GM Powertrain auch in Hallen schadstofffrei verfahren zu können, hat Jungheinrich auf der Basis eines Niederhubwagens einen Pkw-Transporter entwickelt und gebaut.

General Motors Powertrain Europe ist die europäische Einheit von GM Powertrain. Die General Motors Powertrain – Germany GmbH hat ihren Sitz in Rüsselsheim. Dort ist neben der Getriebefertigung auch die Entwicklung von Motoren und Getrieben angesiedelt. Diese auf Herz und Nieren zu testen ist eine wesentliche Aufgabe der Mitarbeiter um Meister Jürgen Zilch. Täglich wird eine beträchtliche Anzahl von Fahrzeugen mit den unterschiedlichsten Motoren- und Getriebevarianten auf der Straße und auf Rollenprüfständen gefahren. Dabei werden sie häufig umfangreichen Umbauten und Checks unterworfen, die in den Werkstätten in Rüsselsheim auf Hebebühnen in verschiedenen Gebäuden durchgeführt werden. 

Die Werkstätten und Versuchseinrichtungen befinden sich in geschlossenen klimatisierten Hallen. Aus gesundheitlichen Gründen darf in diesen Hallen nicht mit den PKW gefahren werden. „GM Powertrain ist absoluter Vorreiter in Sachen Arbeitsschutz“, erzählt  Jürgen Zilch. „Dass unsere Mitarbeiter nicht den Abgasen ausgesetzt werden dürfen, ist für uns schon lange eine Selbstverständlichkeit.“ Die Herausforderung bestand nun darin, Möglichkeiten zu finden, die ein komfortables Transportieren der Fahrzeuge möglich macht, ohne diese per Hand schieben zu müssen. 

Früher wurde dieser Aufgabenstellung mittels externer Abgas-Katalysatoren begegnet, die an die hinteren Stoßfänger der Testfahrzeuge gehängt und durch einen Schlauch mit der Abgasanlage verbunden wurden.  „Damit so ein Katalysator auch richtig funktioniert“, erläutert Jürgen Zilch, „musste dieser warm sein und wurde dementsprechend an der Einfahrt der jeweiligen Gebäude vorgeheizt.“ Die Mitarbeiter waren dann mit dem Katalysator in der Halle unterwegs, „was aber immer noch unangenehm gerochen hat.“ Hinzu kam die Problematik, dass die verschiedenen Modelle unterschiedliche Auspuffendrohre hatten, so dass stets verschiedene Adapter vorgehalten werden mussten. In der Vergangenheit war nicht auszuschließen, dass das Fahrzeug beim Anhängen des Katalysators leicht beschädigt wurde. „Das war natürlich nicht akzeptabel“,  erzählt Jürgen Zilch. „Außerdem boten die Fahrzeuge, bedingt durch die Konstruktion ihrer Karosserie, irgendwann nicht mehr die Möglichkeit ein solches Gerät anzuhängen.“  

Darüber hinaus mussten, beispielsweise vor Kaltstart-Tests, die Fahrzeuge zunächst für bestimmte Zeit in einem so genannten Klimaturm vorkonfektioniert werden, um auf eine bestimmte Luftfeuchtigkeit und Temperatur zu kommen. Dies war notwendig, damit alle Fahrzeuge beim Test die gleichen Bedingungen haben und die Messungen vergleichbar sind. „Die Fahrzeuge dürfen natürlich auf dem Weg vom Klimaturm zum Rollenprüfstand nicht gestartet werden“, so Jürgen Zilch weiter, „weil sonst die Messergebnisse verfälscht werden würden.“ Deshalb hat man sich schon vor vielen Jahren von dieser Methode verabschiedet.

Man ging dazu über, mittels spezieller Flurförderzeuge, die Fahrzeuge zur und in der Halle zu bewegen. In den vergangenen Jahren wurden dabei die unterschiedlichsten Varianten und Lösungen realisiert und eingesetzt. „Diese erwiesen sich jedoch nicht alle als optimal für den intensiven Einsatz bei uns, besonders hinsichtlich der Arbeitssicherheit“, so Lothar Haus, verantwortlich für den Bereich „Mobile Equipment“ bei GM Powertrain Europe und Projektleiter. 

So wurde im Jahr 2006 eine neuerliche Ausschreibung zur Lösung dieser logistischen Aufgabe gestartet. Die Vision war, bei dem neuen Schiebefahrzeug alle bekannten Nachteile auszumerzen ohne die bekannten Vorteile zu verlieren. Keine leichte Aufgabe, wie sich herausstellte. Neben einem besseren Spurverhalten bei Leerfahrt, sollte das Fahrzeug über eine extreme Wendigkeit beim Transportieren von Fahrzeugen verfügen, und es sollte ohne Umbaumaßnahmen alle GM Fahrzeuge, vom Kleinwagen bis zum Kleinlaster, aufnehmen können. Eine weitere Herausforderung stellte die oft niedrige Bodenfreiheit und die unterschiedlichen Karosserieüberhänge der zu transportierenden Fahrzeuge dar.  

Dank der jahrelangen sehr guten Geschäftsbeziehung zwischen GM Powertrain Europe und Jungheinrich erhielt auch das in Hamburg ansässige Unternehmen eine Anfrage. „Gemeinsam mit GM Powertrain Europe und unserem Sonderbauwerk in Lüneburg wurde ein Konzept erarbeitet, wie ein solches Gerät aussehen könnte und wie die genannten Anforderungen technisch zu realisieren seien“, erzählt Wilfried Zohner, Vertriebsbevollmächtigter bei Jungheinrich. „Gemeinsam haben wir dann eine Lösung gefunden.“ 

Bei dem Flurförderzeug, das jetzt in den Testbereichen von GM Powertrain Europe zum Einsatz kommt, handelt es sich um einen eigens im Jungheinrich-Sonderbauwerk in Lüneburg entwickelten und produzierten Pkw-Transporter. Das Antriebsteil stammt von einem herkömmlichen Jungheinrich-Niederhubwagen vom Typ EJE Baureihe 2. Mit dem neu entwickelten Sonderlastteil ist es möglich einen PKW, egal ob von vorn oder hinten, mittig zu unterfahren, beide Räder zu fixieren und das Fahrzeug zum Transport anzuheben. Mittels einer hydraulischen Längenverstellung, lässt sich das Sonderlastteil des EJE 218 (Tragkraft 1,8 Tonnen) an den Radüberhang nahezu aller gängigen PKW und Kleintransporter anpassen.

„Die Erfahrung bestimmt, welche Fahrzeugmodelle von welcher Seite besser zu handhaben sind“, erläutert Jürgen Zilch. Dies hänge unter anderem mit der Bodenfreiheit und mit der Konstruktion der Achsen zusammen. Der Mitarbeiter fährt mit der Plattform unter das Fahrzeug, bis die beiden rechts und links befindlichen festen Aufnahmen an den Reifen anliegen. Danach werden die beiden beweglichen Flügel, die sich nun an den gegenüberliegenden Seiten der Reifen befinden, hydraulisch beigeklappt. „Die Vorder- bzw. Hinterräder des Wagens werden fixiert, die Räder nur umklammert, das Fahrzeug aber noch nicht angehoben“, erläutert Jürgen Zilch. „Erst danach beginnt der Prozess des Hebens“. Diese beiden Arbeitsgänge werden mittels einer Folgeschaltung nacheinander ausgeführt. Das Lastteil wird mit dem PKW vollständig angehoben, dadurch wird die Arretierung der Lasträder (Lenkrollen) aufgehoben, so dass sie sich frei um 360 Grad drehen können. Damit haben die Lasträder keinen Einfluss mehr auf das Steuerverhalten des gesamten Gespanns. Die nicht angehobene PKW-Achse wird in diesem System zur neuen Lastachse, „was wiederum bewirkt, dass das Gespann wie ein Zweiachser funktioniert“, erzählt Lothar Haus. Der so genannte „Campingwagen-Effekt“, also das Einknicken sowie eine Zeitverzögerung beim Lenken, komme nicht zum Tragen, „die mittlere, also die dritte Achse des Gespanns wird praktisch ausgeschaltet“. 

Im abgesenkten Zustand verhält sich der EJE 218 wie ein normaler Niederhubwagen. Die Lasträder sind arretiert, so dass beim Lenken der EJE um den Mittelpunkt der Lastachse dreht. Wegen der flachen Bauhöhe des Lastteiles und der dadurch resultierenden niedrigen Bodenfreiheit wurde noch eine kleine Besonderheit eingebaut: Durch eine spezielle Bedienfunktion kann die Bodenfreiheit von 20 Millimetern auf etwa 65 Millimeter vergrößert werden, so dass das Fahren auf unebenem Gelände auch im Leerzustand möglich ist. Lothar Haus: „Wir müssen mit den Geräten auch außerhalb der Hallen und sogar auf Pflaster fahren können.“ 

Da der EJE 218 ähnlich einfach zu handhaben ist wie ein Niederhubwagen, ist das Gerät auch ohne großartige Einweisung von jedem Mitarbeiter sicher zu bedienen. Zudem benötigt man für die verschiedenen Fahrzeuge keine unterschiedlichen Lösungen. „Das gilt bis zum 3,5-Tonner“, so Jürgen Zilch weiter, „da sich die Last auf zwei Achsen verteilt.“ Die zu transportierenden Pkw können dank der extremen Wendigkeit des Flurförderzeugs von Jungheinrich nahezu auf der Stelle drehen. „Wenn man einen Pkw, sei es bei GM Powertrain oder in einer Kfz-Werkstatt, auf eine Hebebühne bringen will“, erzählt Wilfried Zohner, „dann benötigt man drei, oftmals auch fünf Züge. Mit dem EJE 218 kann man direkt in einem Zug auf die Hebebühne fahren.“ 

Jeder Mitarbeiter könne, ergänzt Jürgen Zilch, die Fahrzeuge mit dem EJE 218 beschädigungsfrei in sehr enge (Park)Lücken bekommen – ohne großartig zu rangieren. Zudem seien die Mitarbeiter bei GM Powertrain das Maß der Dinge. „Daran messen wir, ob ein solches Spezialgerät wie von Jungheinrich im Prozess funktioniert.“ Nutzen die Mitarbeiter dieses Gerät gerne, ohne ständig dazu aufgefordert zu werden, dann erfülle das Fahrzeug auch voll und ganz seinen Zweck.

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Sonderbau
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EJE 220/225/235
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